|
"Im Flur der heilige Antonius, neben dem Schrank der verlorene Sohn und überm Bett eine Madonna - ganz schön kitschig." meinte Nils. "Is doch egal, wenn der Preis stimmt", antwortete Paula. Drei Tage waren sie schon in der kleinen Pension in Rom. Drei lagen noch vor ihnen. Am Abend hatte sie die Wirtin zum Essen eingeladen. Ganz festlich mit Silberbesteck, Kristallgläsern und weißer Damasttischdecke. Ihr Mann goss den Chianti ein. Als alle miteinander anstoßen wollten, warf Paula ihr Glas um. Der dunkelrote Wein ergoss sich über die weiße Tischdecke. „Scusi“, stammelte sie erschrocken, und setzte noch ein „mea culpa“ dazu. Mehr wusste sie auf Italienisch nicht zu sagen. Dazu tupfte sie verlegen mit der Serviette auf der Tischdecke herum. Da legte die Wirtin begütigend ihre linke Hand auf Paulas Arm und nahm mit der rechten die Weinkaraffe. Zuerst goss sie einen Schluck in Paulas Glas. Dann schüttete sie in aller Seelenruhe den restlichen Wein auf das Tischtuch. Dazu sagte sie lächelnd „alla salute“ und nahm wieder Platz. Erleichtert brachen alle in Gelächter aus und antworteten ebenfalls mit „alla salute“. Seit diesem Abend sahen für Paula und Nils die Bilder in der Pension anders aus. Nicht mehr kitschig oder naiv. Sondern wie Fenster in die Seele einer frommen, gütigen Frau. (Autorin: Elke Rudloff, Sprecherin der ARD Sendung "Wort zum Sonntag") |
|